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Krimi-Lesetipp Januar

Nicci French, Eine bittere WahrheitNicci French: Eine bittere Wahrheit

„Das Geschrei begann um drei Uhr morgens.“

Ein Satz, der neugierig macht, auch ein bisschen befremdet. Wir merken schnell, wir befinden uns im Gefängnis, genauer gesagt, in Untersuchungshaft. Tabitha ist eine depressive, verwirrte junge Frau, die des Mordes beschuldigt wird. Des Mordes an ihrem früheren Lehrer Stuart Rees, der sie als Jugendliche mehrfach missbraucht hat. Erst seit kurzem lebt sie wieder in dem kleinen idyllischen Dorf am Meer, in dem sie ihre Kindheit verbrachte.

Sie hat definitiv ein Motiv, aber sie erinnert sich nicht nur nicht an die Tat, sondern ist sich auch absolut sicher, dass sie den Mann nicht umgebracht hat. Ihre Pflichtanwältin glaubt ihr nicht, rät ihr vielmehr zu einem Geständnis, um mit der Staatsanwaltschaft einen Deal zu machen. Dies kommt für Tabitha nicht in Frage, sie beschließt sich selbst zu verteidigen.

In den ersten Wochen hat sie vollauf damit zu tun, sich an den Tagesablauf und die Lebensbedingungen im Gefängnis zu gewöhnen. Wider Erwarten bekommt sie von einzelnen Personen Unterstützung, Freundschaft will sie es nicht nennen. Als Angeklagte, die sich selbst verteidigt, erhält sie Zugang zu den Beweismitteln und der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Sie bittet die Menschen des kleinen Orts als Besucher*innen ins Gefängnis, um sie interviewen und Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Sie kommen fast alle und das aus den unterschiedlichsten Beweggründen.

Wie Tabitha aus der Haft heraus versucht, die Tatumstände zu ermitteln und den Tag des Mordes wie ein Puzzle zusammenzusetzen, ist ungemein spannend. Immer wieder wird sie von Selbstzweifeln geplagt, wechseln sich vorsichtiger Optimismus und totale Verzweiflung miteinander ab.

Der Roman ist in vier Abschnitte unterteilt: Drinnen, die Anklage, die Verteidigung, Draußen. Vor allem die Abschnitte, die im Gerichtssaal spielen, sind ein absoluter Pageturner mit überraschenden Wendungen.

Nicci French, das ist das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Ihre Psychothriller landen meist auf den Bestsellerlisten, am bekanntesten ist sicher die Frieda-Klein-Reihe. Ihre Stand-alone-Thriller müssen den Vergleich nicht scheuen.

Absolute Leseempfehlung!

Martina Schwencke

Krimi-Lesetipp Dezember

Marco Hasenkopf: Köln 300°CMarco Hasenkopf: Köln 300°C

Marco Hasenkopf hat einen rasanten und wendungsreichen Polit-Thriller geschrieben, der von der ersten Seite an fesselt.

Eine Serie von Brandanschlägen hält Köln in Atem. Judith Mertin, eine junge kampfsportbegeisterte Deutsch-Kongolesin, deren Hitzköpfigkeit sie bereits mehrmals in Schwierigkeiten gebracht hat und ihr cholerischer und Burnout-gefährdeter Kollege Kaiser bilden ein ungleiches, hochexplosives Ermittlerduo. Bei einem Brandanschlag stirbt ein leitender Angestellter aus dem Mobilfunksektor.
Anfangs verlaufen die Ermittlungen stockend, denn die beiden Ermittler müssen sich buchstäblich erst zusammenraufen. Nach einem weiteren Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim, bei dem ein Kongolese stirbt, stößt Judith auf das seltene Coltan-Erz, auch als „Blutmineral“ bekannt, das hauptsächlich im Kongo unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut wird. Mittlerweile ist es unverzichtbar in der Telekommunikations- und Medizintechnik. Mertin und Kaiser folgen der Spur des Coltan, doch erst als ein weiterer Anschlag auf eine Telekommunikationsmesse verübt wird, bekommt der Fall die entscheidende Wendung.
Mehrere Übergriffe rechtsextremer Jugendliche auf Judith Mertin und die häufige Abwesenheit und das merkwürdige Verhalten ihres Partners Kaiser deuten auf latenten Rechtsextremismus unter Polizeikollegen. Folglich weiß Judith nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann und wagt riskante Alleingänge, die sie beinahe das Leben kosten.

Fazit: Ein schlüssig aufgebauter Krimi, ungeheuer spannend, der nachdenklich macht.
Auch in der Franken-Onleihe vorhanden.

Christine Lenhart

Krimi-Lesetipp Oktober/November

Gil Ribeiro: Schwarzer AugustGil Ribeiro: Schwarzer August

Gibt es einen Krimi, der spannend ist, interessante Charaktere entwickelt, aktuelle Themen aufnimmt und auch noch gute Laune macht? Der liebevoll und mit Humor das Leben der einfachen Menschen an der Ostalgarve schildert, Missstände gekonnt aufgreift, um dann die originelle Handlung in einem spannenden Plot zum großen Show-down zu führen?  All dies ist Gil Ribeiro in seinem vierten Band der Leander-Lost-Reihe: Schwarzer August vortrefflich gelungen.

Mehrere Bomben explodieren an der Algarve, doch der Täter legt es darauf an, niemanden zu verletzen. Er will Missstände anprangern und nimmt mit verschlüsselten Botschaften Kontakt zu der Polizei in Faro auf.

Dabei hat er nicht mit Leander Lost gerechnet, dem scharfsinnigen deutschen Ermittler mit Asperger-Syndrom, der im Rahmen eines Austauschprogramms nach Fuseta kam und nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile dort geliebt und geschätzt wird. Lost erkennt, dass es sich bei der verschlüsselten Botschaft um ein Palindrom handelt und schafft es, die Motive des Bombenlegers zu entschlüsseln.

Im vierten Band der Leander-Lost-Reihe tritt Lost anfangs etwas in den Hintergrund, sodass der Leser seine charmanten und spleenigen Kollegen Graciana, Carlos und Duarte näher kennenlernt.

Schwarzer August ist der bisher umfangreichste und beste Titel der Reihe. Einen besonderen Reiz erhält dieses locker geschriebene Buch dadurch, dass ein aktuelles und brisantes Thema im Mittelpunkt steht, nämlich das „Goldene Visum“, das mittlerweile in Portugal sehr umstritten ist, da es durch Immobilienkäufe dubioser ausländischer Investoren Korruption und Geldwäsche begünstigt und Kriminellen ein Einfallstor in den Schengen-Raum bietet.

Christine Lenhart

Krimi-Lesetipp August/September

Jane Harper: HitzeJane Harper: The Dry

„The Dry“ (im Taschenbuch unter dem Titel "Hitze" erschienen) ist das erste Buch der australischen Journalistin Jane Harper und gewann auf Anhieb mehrere internationale Preise.

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten macht den Menschen im australischen Outback sehr zu schaffen. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz und leiden unter der brütenden Hitze.

Aaron Falk, Polizist aus Melbourne, kommt zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke nach 20 Jahren zurück in seine Heimatstadt. Er war damals geflüchtet, nachdem man ihm den Mord an seiner Mitschülerin Ellies anhängen wollte. Nun hat Luke offensichtlich seine Frau, den gemeinsamen Sohn und dann sich selbst erschossen. Aaron, der die Todesfälle Lukes Eltern zuliebe zusammen mit dem neu zugezogenen Sergeant Raco untersuchen möchte, schlägt sofort wieder das alte Misstrauen und die Feindseligkeit der Einwohner entgegen. 

Die Geschichte wird nüchtern in ruhigen Sätzen erzählt. Trotz des etwas trägen Erzählstils, der die bleierne Hitze wirkungsvolll unterstreicht, ist man schon nach wenigen Seiten von der Handlung gefangen und die Spannung hält bis zur letzten Seite an. Kunstvoll verwebt Harper die Ereignisse der Vergangenheit, die in kursiver Schrift gedruckt sind mit dem aktuellen Geschehen. Jeder Charakter ist authentisch und sorgsam entwickelt, die Geschichte so dicht gewebt und unwiderstehlich, dass sich am Ende die Fakten wie Puzzleteile zu einem stimmigen Ende fügen.

Jane Harpers Spannungsroman ist vielschichtig, neben den Verbrechen geht es auch um Heimat, Freundschaft, Vergebung und um die Strapazen, denen die Menschen in der fürchterlichen Hitze Australiens ausgesetzt sind.

Harpers Erzählstil ist außergewöhnlich gut. Man spürt beim Lesen förmlich die gleißende Hitze des Outback, schmeckt den Staub und blinzelt gegen die flirrende Hitze. Ihre Sätze sind von einer mutigen Sachlichkeit, präzise gesetzt und ein Genuss zu lesen.

Sehr erfreulich ist, dass bereits der zweite Band mit dem sympathischen Aaron Falk erschienen ist sowie ein dritter, unabhängiger Thriller. Sie sind in der Bibliothek in Deutsch und Englisch vorhanden und ebenfalls uneingeschränkt zu empfehlen.

Christine Lenhart

Krimi-Lesetipp Juli

Sara Paretsky, AltlastenSara Paretsky: Altlasten

Victoria Iphigenia Warshawski, kurz V. I. oder Vic Warshawski ist Privatdetektivin in Chicago. Das erste Mal begegnete ich ihr 1986, als mit „Schadenersatz“ Sara Paretskys erster Band der Reihe auf Deutsch erschien. Bis dahin gab es schlicht keine toughen Detektivinnen à la Philip Marlowe und zudem ist Warshawski Feministin durch und durch. Das war eine Erleuchtung und ich verschlang alle Folgebände, die bis 2011 in schöner Regelmäßigkeit erschienen. Dann war auf einmal Funkstille, bis 2018 der kleine, aber feine Ariadne-Verlag beschloss, Altmeisterin Sara Paretsky (geb. 1947) in Deutschland wieder eine Bühne zu geben. „Kritische Masse“ ist ein genialer Kriminalroman mit historischen und wissenschaftlichen Aspekten, der direkt auf der Krimibestenliste landete.

Und nun also „Altlasten“, im Original „Fallout“, bereits 2016 geschrieben und 2017 erschienen. Das ist vor allem deshalb frappierend, weil die Themen dieses Krimis auch derzeit hochaktuell sind.
Ein junger schwarzer Filmemacher ist verschwunden und mit ihm eine ältere Filmschauspielerin, deren Leben er verfilmen sollte. Seine Wohnung und sein Arbeitsplatz sind verwüstet und V. I. Warshawski bekommt den Auftrag, ihn zu suchen. Dies führt sie nach Lawrence, Kansas und dort sticht sie direkt in ein Wespennest. Ganz offensichtlich haben einige offizielle Stellen etwas dagegen, dass Warshawski in den „Altlasten“ ermittelt und es sieht so aus, als stecke nicht nur der örtliche Sheriff, sondern auch das Militär (Stichwort „Kalter Krieg“), diverse Wissenschaftler und „durchgeknallte US-Patrioten“ dahinter. Verschwörungstheorien und tückische Krankheitserreger machen die Ermittlungen nicht einfacher. Das Hauptthema in diesem Roman ist aber der Rassismus, der die amerikanische Gesellschaft durchzieht und trennt und den Paretsky mit vielen kleinen und großen Begebenheiten schildert.
""Diese Stadt gärt förmlich vor Geheimnissen", sagte ich zu Peppy, sobald wir wieder unter uns waren. Golden Retriever sind so ehrlich und vertrauensvoll, dass man es ihnen erklären muss, wenn man was ironisch gemeint hat."
Fans der Serie werden sich freuen, dass „Peppy“, Vics Golden-Retriever-Hündin, auch in Kansas mit von der Partie ist, genau wie Dr. Lotty Herschel, ihre Freundin aus Chicago, deren ärztliche Expertise nicht unwillkommen ist.

„Altlasten“ führt im Juni 2020 die Krimibestenliste an und das völlig zu Recht. Ich hoffe auf weitere Neuerscheinungen im Ariadne-Verlag und würde mich auch sehr freuen, die alten Bände dort in Neuausgaben zu sehen.

Martina Schwencke

Krimi-Lesetipp Juni

Adrian McKinty Cold WaterMacKinty, Adrian: Cold Water: Sean Duffys letzter Fall

MacKintys brilliante Sean-Duffy-Reihe beginnt im Belfast der explosiven 80er Jahre, die in Nordirland geprägt waren durch einen brutalen Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten, den Troubles.

Belfast ist im Ausnahmezustand. Detektive Sergeant Sean Duffy, neu in der Stadt, kämpft an allen Fronten. Als wahrscheinlich einziger katholische Bulle in Nordirland, muss er sich nicht nur mit misstrauischen protestantischen Kollegen auseinandersetzen, sondern sich auch als einziger Katholik in seiner protestantischen Vorstadtsiedlung Respekt verschaffen. Auch bei seinen Ermittlungen gerät er unweigerlich zwischen die Fronten von IRA und Protestanten. Und dies macht genau den Reiz der Buchreihe aus: Als Leser wird man in die Zeit der Troubles zurückversetzt, bangt mit Duffy, der vor jeder Autofahrt erst den Boden seines Wagens inspizieren muss und -unvergleichlich beschrieben – bei aller Routine eine Bombe beinahe übersehen hätte.

Intelligent, eigensinnig und unbestechlich ermittelt Duffy in den Wirren des Nordirlandkonflikts und vermittelt uns einen sehr lebhaften Eindruck vom Alltagsleben im Pulverfass Nordirland:

Der Terror im Alltag jeder irischen Familie, die hohe Sterblichkeitsrate der Polizisten im Dienst, Korruption, englische Machtpolitik, Besuche von Margarete Thatcher und Muhammad Ali, die Hintergründe des Aufschwungs 1987, als Irland sich zu einem Zentrum der Mobilfunk- und Computerindustrie entwickelte - virtuos und mit subtilem Humor verwebt MacKinty irische Geschichte und Kriminalfall in jedem einzelnen Buch dieser außergewöhnlichen Reihe. Die sieben Bände lassen sich auch unabhängig voneinander lesen.

In „Cold Water“, dem Abschlussband der Reihe, will Duffy aus dem aktiven Dienst ausscheiden, um als Reservist und Sonderermittler mit Frau und Kind ins friedliche Schottland zu ziehen. Allerdings ist da noch ein letzter Fall um ein verschwundenes Travellermädchen, der ihn nicht loslässt. Gewohnt eigensinnig und beharrlich ermittelt Duffy, um seinen letzten Fall abzuschließen zu können.

Christine Lenhart

Krimi-Lesetipp Mai

Thomas Ziebula, Der rote JudasThomas Ziebula: Der rote Judas

Leipzig 1920. Kriegsheimkehrer Major Stainer meldet sich in der "Wächterburg", Leipzigs Polizeipräsidium, zum Dienst zurück und wird wegen des Mangels an Personal direkt vom Kommissar zum Kriminalinspektor befördert. Von Kriegstrauma, Flashbacks und Gedächtnislücken geplagt, muss er sich mit mehreren Morden befassen, die wohl zusammenhängen. Seine Frau hat sich während des Kriegs einen anderen gesucht und überhaupt muss er sich erst einmal in dieses Nachkriegsleipzig voll politischer Wirren einfinden, in dem Frauen plötzlich Straßenbahn fahren.

„…betrachtete Stainer sein Spiegelbild. „Seit wann sehen Kriminalinspektoren aus wie verkaterte Gespenster?“ fragte er sich selbst. Und gab sich selbst die Antwort: Die Schießerei vor dem Friedhof, die Toten in der Villa, … und dann noch eine Gattin, die sich scheiden lassen wollte - das alles war ein bisschen viel für vier Tage Kriminalistenexistenz; zu viel für einen, der zuvor dreieinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft zugebracht hatte.“

Der Versailler Vertrag ist vor kurzem verabschiedet worden, die Unzufriedenheit unter den Nationalisten ist groß und diese fühlen sich von den Roten, den Linken, verraten. Seine Ermittlungen führen Stainer bald in Richtung einer Verschwörung der Reichswehr („Operation Judas“), die unbedingt verhindern will, dass Einzelheiten eines Massakers in Belgien ans Licht kommen. Bei diesem historisch belegten Massaker von Dinant wurden 674 Zivilisten ermordet.

Dieser erste Band einer Reihe liegt zeitlich zwischen den Wien-Krimis von Alex Beer und der Gereon-Rath-Reihe ("Babylon Berlin") von Volker Kutscher und ist mit seinem in Leipzig angesiedelten Setting nicht nur unverbraucht, sondern auch bestens recherchiert und punktet mit sympathischen Hauptfiguren.
Ein Gewinn! Ich freue mich auf den nächsten Band!

Martina Schwencke

Krimi-Lesetipp April

Michael Connelly Late ShowMichael Connelly: Late Show

Renée Ballard ist Detective in L.A. und arbeitet in der „Late Show“, der Nachtschicht des L.A.P.D. Dorthin wurde sie strafversetzt, nachdem sie einen Vorgesetzten meldete, der sie zuvor sexuell belästigt hatte. Renée ist eine Einzelgängerin mit ebenso hohem Ehrgeiz wie Moralkodex, die die Fälle, die sie morgens abgeben muss, tagsüber heimlich weiterverfolgt.

In „Late Show“ ermittelt sie parallel in mehreren Fällen. Im ersten Fall geht es um Kreditkartenbetrug, im zweiten wird ein Transsexueller halbtot geschlagen, im dritten gibt es eine Schießerei in einem Nachtclub, bei dem fünf Menschen ums Leben kommen.
In letzterem Fall wird ihr ziemlich unmissverständlich klar gemacht, dass sie sich raushalten soll. Nachdem es sich bei dem Chief Detective genau um denjenigen handelt, der sie damals belästigt hatte und dann auch noch ihr früherer Partner bei den Ermittlungen ums Leben kommt, verbeisst sie sich nur noch mehr in den Fall.

Michael Connelly ist vor allem durch seine Krimireihe um den starken Ermittler Harry Bosch bekannt. Nun also eine weibliche Hauptfigur und die ist höchst interessant. Mit hawaiianischen Wurzeln, ohne  ernsthafte soziale Bindungen, die einzigen Familienbande zu ihrer Großmutter Tutu, die zwei Autostunden entfernt wohnt. Renée schläft in ihrem Transporter oder in einem Zelt am Strand, einzig bewacht von Lola, ihrem Hund, den sie aus dem Tierschutz übernommen hat.

In „Late Show“ läuft Connelly wieder zu großer Stärke auf, wenn es um die Schilderung des Polizeialltags geht. Das ist überhaupt nicht langweilig, zumal die hierarchischen Zwänge und der Sexismus im Polizeiapparat von Los Angeles neben den Ermittlungen das Hauptthema sind. Renée Ballard hat dem Nachwort zufolge ein reales Vorbild, die die Inspirationsquelle für die neue Serie war. Wir dürfen uns nämlich auf weitere Bände freuen und dann wird auch Harry Bosch wieder auftauchen.

Martina Schwencke

eBook-Krimi des Monats

Thomas Mullen: Lange NachtThomas Mullen: Lange Nacht

Im dritten Band der Darktown-Trilogie treffen wir erneut auf Lucius Boggs, Sergeant Joe McInnis und Tommy Smith, der mittlerweile als Reporter bei Atlantas größter schwarzer Tageszeitung arbeitet. Als sein Chef, Herausgeber Arthur Bishop, ermordet wird, mischt er sich in die Mordermittlungen ein. Ein Thriller um Hass und Rassismus vor dem Hintergrund der Anfänge von Martin Luther King Jr. beim Montgomery Bus Boycott.

Krimibestenliste

An jedem ersten Freitag des Monats geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen. Die Krimibestenliste wird präsentiert von Deutschlandfunk Kultur.

Im Januar 2021 steht Candice Fox mit "Dark" an der Spitze, gefolgt von Dominique Manotti mit "Marseille.73". Auf dem dritten Platz findet sich Denise Mina mit "Götter und Tiere".

Deutscher Krimipreis

Die besten Kriminalromane des Jahres 2020

National
1. Platz: Zoë Beck: Paradise City (Suhrkamp)
2. Platz: Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit (Rowohlt)
3. Platz: Frank Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam (CulturBooks)

International
1. Platz: Denise Mina: Götter und Tiere (Gods and Beasts) deutsch von Karen Gerwig (Argument/Ariadne)
2. Platz: Garry Disher: Hope Hill Drive (Peace) deutsch von Peter Torberg (Unionsverlag)
3. Platz: Young-ha Kim: Aufzeichnungen eines Serienmörders (Salinja-ui gieok-beob) deutsch von Inwon Park (cass verlag)

Glauser

Das SYNDIKAT schreibt jedes Jahr Autorenpreise aus, die vom SYNDIKAT e. V., dem Verein zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur, gestiftet werden: den GLAUSER in mehreren Kategorien sowie den Ehren-GLAUSER für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur.

Preisträger 2020
Roman: Jürgen Heimbach, "Die rote Hand" (weissbooks.w)
Debütroman: Lioba Werrelmann, "Hinterhaus" (Bastei Lübbe)
Kurzkrimi: Sunil Mann, "Der Watschenmann", in: "Blutige Lippe 3" (Ventura)
Jugendkrimi: Wulf Dorn, "21- Dunkle Begleiter" (CBJ)
Kinderkrimi: Charlotte Habersack, "Bitte nicht öffnen 4, Feurig" (Carlsen)
Ehren-GLAUSER: Nina George