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Lesetipp Januar

Tommie Goerz: Tante Emma lebtTommie Goerz: Tante Emma lebt

„Tante Emma lebt“ ist Deutschlands schönstes Regionalbuch und wurde von der Stiftung Buchkunst und der IG Regionalia des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Auch auf der Shortlist des deutschen Fotobuchpreises ist es vertreten.

Auf fesselnde Art erzählt der Erlanger Autor Tommie Goerz von seinen Ausflügen in die letzten Minisupermärkte seiner Heimat. Immer dabei ist Walther Appelt, der die bunte schillernde Welt in liebevollen Fotos festhält. Unglaublich, was man darauf alles entdecken kann.

Wir erfahren Interessantes über die Geschichte einzelner Läden. Oft werden sie seit vielen Jahrzehnten von Generation zu Generation weitergegeben. Die „Emmas“ kommen in ihren Dialekten zu Wort und deren soziale Funktion im Ort berührt im Herzen.

Beeindruckend ist die Fülle der Artikel, oft mehrere Tausend, auf engstem Raum. Es gibt alles: Eiskonfekt, Brause, Kittelschürzen, Hosenträger, Trachten-Zubehör und Selbstgemachtes. Ein Kunde fragte Frau Auch in Oberickelsheim: „Is des edds a Museum oder verkaufen Sie doh noch?“

Ich habe das Gefühl, neben Emma ist das meistbenutzte Wort in diesem wundervollen Buch „Lachen“. Man bekommt beim Lesen sofort Lust, einige dieser spitzbübischen Persönlichkeiten kennenzulernen und wird mit einem anderen Blick durch unsere Heimat reisen.

Karin Rosa

Lesetipp Dezember

Der Name des WindesPatrick Rothfuss: Der Name des Windes

Der Name des Windes ist das erste Buch der Königsmörder-Chroniken. Kvothe ist der Wirt des ländlich liegenden Gasthauses “Wegstein”. Er ist gerade dabei, einem Chronisten seine Geschichte zu erzählen. Denn hinter Kvothe steckt viel mehr als nur ein einfacher Wirt.

Ursprünglich ist Kvothe unter fahrenden Spielleuten, den Edema Ruh, aufgewachsen. Dadurch ist er schon als kleiner Junge sehr viel rumgekommen, kennt viele Geschichten, Lieder und Theaterstücke. Er liebte die Abende, an denen alle gemeinsam im Lager saßen und gemeinsam musizierten, lachten und Geschichten erzählten.

Leider tauchten irgendwann die Chandrian auf, verwüsteten das Lager und brachten seine Eltern um. Völlig auf sich allein gestellt will Kvothe nun herausfinden, wer die Chandrian sind und warum seine Eltern ihnen zum Opfer gefallen sind. Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, nimmt er viel auf sich: Ohne Hab und Gut bettelt er sich durch die Hafenstadt Tarbean. Dank seiner Begabung für Magie und Wissenschaft wird er als jüngster Student am “Arkanum”, der Universität für hohe Magie, aufgenommen. Dort hofft er, in der Bibliothek mehr über die Chandrian herauszufinden.

Die Recherche nach den Chandrian gestaltet sich als sehr schwierig, da es fast keine Nachweise über sie gibt. Außerdem muss er sich weiterhin mit finanziellen Problemen, Missgeschicken und natürlich auch mit fiesen Professoren und Mitschülern herumschlagen. Für einen schöneren Zeitvertreib sorgen seine Freunde und seine Laute, die ihm besonders wichtig ist. Wegen seiner Herkunft bei den Spielleuten, kann sich Kvothe nicht ganz vom Rampenlicht fernhalten. Im Wirtshaus “Zum Anker” tritt er deshalb mit seiner Laute auf und zaubert dem Publikum ein Lächeln oder auch die ein oder andere Träne ins Gesicht.

Mir gefällt der Stil von Patrick Rothfuss. Er beschreibt die Welt und die Charaktere so gut, dass man sich selber schnell durch die Stadt schlendern sieht oder Teil eines Gespräches wird. Außerdem ist Kvothe nicht der klassische Fantasyheld: Er ist zwar sehr begabt, hat aber seine Fehler, zieht Missgeschicke fast schon magisch an und handelt oft unüberlegt. Das macht ihn und die meisten Charaktere sehr sympathisch. Die Nebencharaktere sind auch nicht bloß kurz erwähnt, man lernt sie und deren Hintergrund gut kennen. Bisher sind drei Bände über Kvothes Abenteuer erschienen. Leider ist bis jetzt noch nicht absehbar, wann der nächste Band in den Handel kommen wird. Trotzdem kann ich die Bücher wärmstens empfehlen. Mir haben sie sehr viel Spaß gemacht und zählen mittlerweile zu meinen Lieblingsbüchern.

Michaela Reisch

Lesetipp November

Time to LoveBeth O’Leary: Time to Love

Nach Love to Share ist Time to Love das zweite Buch der britischen Autorin Beth O’Leary, in dem sie Leena und ihre Großmutter Eileen das Leben tauschen lässt – Londoner Großstadtleben gegen britisches Landleben in Yorkshire, ob das gut geht?

Nach einigen Problem im Job erhält Leena die Möglichkeit auf eine zweimonatige Auszeit. Grauenvolle Vorstellung für Leena! Diese hat sich seit dem Tod ihrer Schwester in die Arbeit gestürzt, nur um nicht darüber nachdenken zu müssen. Da sie aber keine andere Wahl hat, beschließt Leena ihre Großmutter Eileen in der Nähe von Yorkshire zu besuchen.

Eileen, Ende 70, betrogen und verlassen von ihrem Exmann, sehnt sich nach ihrem zweiten Frühling. Doch auf dem Land ist die Dating-Auswahl begrenzt: Arnold, mürrischer Katzen-Hasser von nebenan oder Basil, der zwar noch seine eigenen Zähne hat, dafür aber einen “Britain First”-Aufkleber auf seiner Stoßstange.

Kurzerhand beschließen die beiden ihre Wohnungen samt Handys zu tauschen. Eileen zieht in Leenas bunte WG in London und stürzt sich in die Online-Partnersuche. Leena zieht in das Haus ihrer Großmutter, samt Verantwortung für die Katzen und Eileens Verpflichtungen bei der Nachbarschaftswache. Was kann da schon schief gehen? 😀

Beth O’Leary zeichnet hier sehr sympatische Figuren. So ist es amüsant, sowohl Leena als auch Eileen in ihrer neuen und ungewohnten Umgebung zu sehen. Gerade die kauzigen Bewohner*innen in Eileens Dorf hatten es mir angetan. Durch die abwechselnden Perspektiven kann man das Buch auch gar nicht weglegen und hat es im Nu ausgelesen.

Yvonne Reinhardt

Lesetipp Oktober

Buchcover "Every" von Dave EggersDave Eggers: Every

Was mit dem Circle als größte Suchmaschine und Soziales Netzwerk begann, treibt die Fusionierung mit dem mächtigsten Online-Versandhaus auf die nächste Stufe der Monopolstellung eines Unternehmens. Und diese Macht hat einen Namen: Every.

Every kauft Start-Ups auf, Leute ein und entwickelt Software, die abhängig macht. Abhängig von Zahlen und Likes. Software, die alles und jede*n sieht. Doch das stellt nur einen Bruchteil des Ausmaßes der Überwachung dar. All das läuft unter der Hand von Mae Holland, die beim Circle anfing und zu einer der bedeutendsten Personen im Circle-Universum heranwuchs. Ihr Leitsatz „Teilen ist heilen“ lässt keinen Spielraum für Privatsphäre. Wer anders denkt und sich anders verhält, verbirgt etwas.

Währenddessen immer präsent: der Klimawandel, der Kollaps des Planeten. Hier hat Every Großes vor. Die Offenlegung des persönlichen CO2-Fußabdrucks, was Karrieren zerstört und Leben beendet. Diese und viele weitere Entscheidungen übernimmt Every. Denn wer behält den Überblick und wünscht sich schon unendlich viele Möglichkeiten und Freiheiten?

Doch noch gibt es Widerstand gegen ein fremdbestimmtes Leben. Nicht alle wollen gläsern sein und Künstliche Intelligenz für sich entscheiden lassen. Delaney ist eine der Personen, die auf ihre Freiheiten nicht verzichten möchte. Sie versucht mithilfe ihres Freundes Wes ins Innere des Unternehmens vorzudringen und diesem zu schaden. Ob dieses Vorhaben gelingt? Lest selbst!

Dieses Buch ist eine klare Empfehlung. Eine Dystopie könnte man meinen – doch dafür in einigen Bereichen schon erschreckend real. Es kann sensibilisieren und dazu anregen, das eigene Handeln genauer zu betrachten. Ich werde diese Geschichte im Hinterkopf behalten und bin gespannt, was sich davon in unserer Zukunft wiederfindet.

Heike Ossadnik

Lesetipp September

Da hinaufMarianne Künzle: Da hinauf

Ein schönes Cover fesselt den Blick und dann zieht es einen schnell hinein in die Erzählung.

Wir begleiten zwei Frauen allein auf derselben Bergtour hinauf zum Gletscher, aber zeitlich versetzt. Irma, eine junge Witwe, unternimmt die Wanderung Anfang der 50er Jahre. Sie ist nach einem heftigen Streit mit ihrem erwachsenen Sohn aufgebrochen. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zu diesem zurück.

Annina, eine junge Journalistin macht sich in der Gegenwart auf denselben Weg. Sie beschäftigt eine bevorstehende wichtige Reportage und will sich endlich in ihrem Beruf beweisen.

Beide Frauen nimmt die Natur gefangen. Sie sind fasziniert von dem Gletscher. Die eine erlebt ihn noch als „gepanzertes Riesentier“ und betrachtet ihn als immer bleibende Konstanz im Leben der von Kriegen gebeutelten Menschheit. Die andere erkundet die Relikte des Gletschertores, fotografiert und filmt den Zerfall des Gletschers, spielt mit den Gedanken, darüber eine Zeitraffer-Reportage zu machen.

Und wie nebenbei findet Annina eine Leiche, von der schnell klar ist, dass sie schon lange vor ihrer Geburt im Gletschereis liegt, und allein wir Leser*innen wissen, wer sie ist.

In wunderbar atmosphärischer Sprache schildert die Autorin das Schauspiel der Natur vor den Alltagssorgen der beiden Frauen. Der Roman lebt von den großartigen Naturbeobachtungen und entwickelt ruhig erzählt eine ganz eigene Spannung, der man sich nicht entziehen kann.

Claudia Nägel

Lesetipp August

Marion Karausche: Der leere PlatzMarion Karausche: Der leere Platz

Dieser Roman ist die Geschichte einer Familie, deren heile Welt zusammenbricht, als der Sohn im Jugendalter plötzlich merkwürdig wird und sich abwendet. Es ist vor allem auch die Geschichte einer Mutter, die nicht mehr glücklich sein kann, weil es ihr Kind nicht ist. 

Eine deutsche vierköpfige Auswandererfamilie hat ein privilegiertes, nahezu perfektes Leben in Marokko. Bis zum Tag an dem Kai, das ältere Kind, nicht mit seinen Freunden vom Europatrip zurückkommt. Als er dann doch heimkehrt ist er nicht mehr derselbe. Sein Studium bricht er bald ab. Und verschwindet wieder. Jahre vergehen, ohne dass die Eltern wissen wo er ist und wie es ihm geht. Eine Zeit angstvollen Wartens. Dann kommt ein Anruf aus einer deutschen Klinik. Kai wurde eingeliefert. Laut den Ärzten ist er psychisch krank. Nun kann Marleen, die Mutter, für ihn da sein. Doch wie hilft man einem erwachsenen Kind, das sich immer mehr von der Welt entfremdet und oft verzweifelt und perspektivlos ist? Wie hält eine liebende Mutter diesen immerwährenden Ausnahmezustand und die Angst vor dem nächsten Zusammenbruch aus? Was macht das mit der Ehe? Mit dem Geschwisterkind? Und gibt es in der Familiengeschichte Antworten auf die Frage nach dem Warum?

Marion Karausches bewegendes Debüt muss man einfach gelesen haben. Ein wahrhaftig unter die Haut gehendes Buch, spannend bis zum letzten Moment und lange nachwirkend!

Marlene Neumann

Lesetipp Juli

Eine Frage der ChemieBonnie Garmus: Eine Frage der Chemie

„Chemie bedeutet Veränderung“, erklärte sie den Hausfrauen da draußen. „Verändern Sie nicht bloß den Speiseplan, sondern Ihre Rolle in der Welt!“

Die junge Forschungschemikerin Elisabeth Zott ist alles andere als Durchschnitt. Sie ist nicht nur außergewöhnlich klug, sondern auch sehr attraktiv. Damit hat sie es in der reinen Männergesellschaft ihres Forschungsinstituts nicht gerade leicht. Als sie sich dann auch noch in den Vorzeigewissenschaftler der Einrichtung verliebt, werden ihr mehr und mehr Steine in den Weg gelegt. Schließlich steht sie mit einem unehelichen Kind alleine da, muss ihre Pläne über den Haufen werfen und ihren Lebensunterhalt auf völlig unerwartete Weise verdienen.

Dennoch bleibt sie der Chemie in allen Lebenslagen treu und bringt ihre Umgebung mit ihrem wachen Verstand immer wieder an ihre Grenzen.

Eine inspirierende Geschichte über eine ungewöhnliche Frau, die sich allen widrigen Umständen zum Trotz, immer selbst treu bleibt. In einer Welt, die für Frauen viele Ungerechtigkeiten bereithält, findet sie dennoch ihren Weg und bietet den festgefahrenen Strukturen der Gesellschaft die Stirn.

Stefanie Erben

Lesetipp Juni

Caitlin Doughty: Fragen Sie Ihren BestatterCaitlin Doughty: Fragen Sie Ihren Bestatter

 

Krematoriumsfachkraft. Dieser ungewöhnliche Job ist für Caitlin Doughty mit Anfang zwanzig nicht nur ein Job, er ist auch Therapie. Jahrelang hat sie die Angst vor dem Tod verdrängt, ignoriert und nicht zugelassen, auch nur darüber nachzudenken. Caitlin stellt sich aber nicht nur ihren Ängsten, sie träumt von einer (friedlichen!) Revolution der Bestattungskultur. Es ist ihr Wunsch, dem Tod im Leben einen Raum zu geben. Am Ende sollten wir den Sensenmann wie einen alten Freund begrüßen, ganz ohne Furcht.

Warum ich dieses Buch empfehle?

„Fragen Sie Ihren Bestatter“ ist auf vielen Ebenen ein lehrreiches Buch. Es ist eine Biographie, eine Auseinandersetzung mit dem Tod und warum wir solche Angst vor dem Sterben haben und bietet einen Blick in die Geschichte der (amerikanischen) Bestattungskultur. Mir gefällt, dass Caitlin Doughty sich sehr gerade heraus mit diesen Themen beschäftigt. Ihr Respekt vor dem Leben, aber ganz besonders vor dem Tod wird deutlich. Sie lädt ein, sich mit dem eigenen Sterben auseinanderzusetzen. Sanft, ohne Angst. Ihr eigener Lebensweg zeigt, wie das gelingen kann.

Außerdem empfehle Caitlin Doughtys YouTube-Serie „Ask a Mortician“ (Frag‘ einen Bestatter). Mit der gleichen Gradlinigkeit und Humor beantwortet sie die Fragen über Tod und Sterben, die sich keiner zu fragen traut. Die Videos sind in englischer Sprache.

Sarah Dlugokinski-Thoma

Lesetipp Mai

Marie-Sabine Roger: Wenn das Schicksal anklopft, mach aufMarie-Sabine Roger: Wenn das Schicksal anklopft, mach auf

Das Buch handelt von zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch Freundinnen werden. Beide sind aus ganz verschiedenen Gründen Außenseiter. Die 29-Jährige Harmonie leidet unter dem Tourette-Syndrom und hat es wegen ihrer unkontrollierbaren Ausbrüche schwer, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Fleur ist eine 76 Jahre alte, stark übergewichtige Rentnerin mit einer extremen Sozialphobie. Sie verlässt ihre Wohnung ausschließlich, wenn sie einen Termin beim Therapeuten wahrnimmt. Er ist der Einzige, dem sie – abgesehen von ihrem Mops Mylord – noch vertraut. Da sie ihren Hund aber nicht zu den Sitzungen mitnehmen kann, trifft sie bei der Suche nach einem Hundesitter auf Harmonie, die gerade versucht, etwas unabhängiger von ihrem Freund zu werden. Das erste Treffen der beiden ist nicht sehr vielversprechend und endet damit, dass Harmonie sich den Arm bricht. Dadurch sind die zwei Frauen aber auf seltsame Weise mit einander verbunden und es entwickelt sich mit der Zeit eine Art Freundschaft, die es beiden ermöglicht, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen und mit ihren Schwierigkeiten besser zurecht zu kommen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonistinnen erzählt. Dabei entspricht der jeweilige Schreibstil sehr anschaulich den unterschiedlichen Persönlichkeiten: Hektisch und chaotisch die Eine, bedächtig und gelegentlich etwas abschweifend die Andere.

Wie schon in ihren früheren Büchern, ist es der Autorin auch hier wieder gelungen, sehr einfühlsam und warmherzig über Menschen zu schreiben, die am Rande der Gesellschaft stehen und es im Leben nicht leicht haben. „Wenn das Schicksal anklopft, mach auf“ ist eine sehr berührende und humorvolle Geschichte über Freundschaft und Toleranz und unbedingt lesenswert.

Sabine Köstler

Lesetipp April

Doris Knecht: Die NachrichtDoris Knecht: Die Nachricht

Das aktuelle Thema “Digitale Gewalt” interessant und fesselnd verpackt das ist “Die Nachricht” von Doris Knecht.

Ruth hat vor einigen Jahren ihren Mann Ludwig bei einem Unfall verloren. Sie lebt außerhalb von Wien in dem gemeinsam gebauten Landhaus. Ihre Kinder sind bereits groß und im Prinzip selbständig. Eines Tages erhält sie per Facebook eine anonyme Nachricht mit dem Hinweis auf eine Affäre ihres toten Mannes. Die Affäre ist ihr bekannt und auch als weitere, immer hasserfülltere, Nachrichten kommen, macht sie sich zunächst nicht viele Gedanken. Von Beruf ist sie Fernsehjournalistin und gewohnt, für ihre Meinung angegriffen zu werden.

Erst als auch Freunde und Familienmitglieder ähnliche Nachrichten erhalten, und sie Dinge beinhalten, die nur Ruths engstes Umfeld kennt, beginnt sich ihr Leben zu verändern. Sie muss sich mit Gefühlen von Kontrollverlust, Misstrauen und Ohnmacht auseinandersetzen. Ihr Selbstverständnis als starke und unabhängige Frau bekommt Risse. Ruths Beschäftigung mit dem Thema wird genau beschrieben und ist, finde ich, die Stärke des Buches.

Als sie einen neuen Mann, Simon, kennenlernt, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Ruth versucht weiterhin herauszufinden, von wem die Nachrichten kommen. Hier nimmt der Roman krimihafte Züge an. Sie hat einen Verdacht und während des Lesens wollte ich unbedingt wissen, ob er sich bestätigt.

Den psychologisch interessant und spannend geschriebenen Roman von Doris Knecht kann ich nur empfehlen!

Susann Wagner

Lesetipp März

Bas Kast: Das Buch eines SommersBas Kast: Das Buch eines Sommer

 

Ganz wie der Titel schon vermuten lässt, hat Bas Kast hier ein Buch geschrieben, das uns in laue Sommernächte in den Weinbergen mit tiefgehenden Gesprächen und Gedanken entführt.

 

Von außen betrachtet führt Nicolas ein schönes Leben. Er ist gut in seinem Job, hat eine Frau und ein Kind. Doch wer einen Blick hinter die Fassade wirft, sieht das nichts im Leben perfekt ist. Das Verhältnis zu Frau und Sohn ist angespannt. Er arbeitet zu viel und hetzt verbissen von einem Termin zum nächsten. Seinen Jugendtraum ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden, musste er früh über Bord werfen. Er erfüllte den Wunsch seines Vaters, einem „richtigen“ Beruf nachzugehen und übernahm dessen Firma. Als den vielbeschäftigten Geschäftsmann die Nachricht vom Tod seines Onkels Valentin erreicht, reißt ihm das den Boden unter den Füßen weg. Denn sein Onkel hat ihm sehr viel bedeutet und in den letzten Jahren hatte er ihn viel zu selten besucht. Daraufhin zieht Nicolas mit seiner Frau Valerie und seinem Sohn Julian für ein paar Tage in die malerisch gelegene Villa des Verstorbenen. Während er dort versucht den Nachlass zu regeln, begegnen ihm viele Erinnerungen an seinen weisen Onkel. Er beginnt sich selbst, sein Leben und seine Entscheidungen zu hinterfragen.

 

Mit „Das Buch eines Sommers“ hat Bas Kast es geschafft, ernste Themen in einen locker und leicht zu lesenden Roman zu verpacken. Er stellt die Fragen, die uns alle im Laufe unseres Lebens beschäftigen: die Endlichkeit des Seins, die Frage nach Zufriedenheit und warum es so schwer ist, zu werden wer man ist. Es sind keine neuen Erkenntnisse, aber eine Erinnerung an das, was wirklich wichtig ist.

 

In dieser grauen Jahreszeit sehnen wir uns alle nach ein bisschen Sonnenschein. Genau das ist dieses Buch für mich. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und habe es in kürzester Zeit verschlungen. Dieses Buch ist für jeden, der sich ein Stückchen Sommer herbeiträumt!

 

Anna-Lena Schäffner

Lesetipp Februar

Karin Kalisa: BergsalzKarin Kalisa: Bergsalz

Franzi ist erstaunt, fast verärgert, als es um die Mittagszeit an der Tür klingelt. Davor steht Johanna, eine Nachbarin, die um etwas Mehl bittet. Dies ist ungewöhnlich, da in dem abgelegenen Dorf jeder sehr zurückgezogen lebt. Franzi vermutet, dass es sich lediglich um einen Vorwand handelt und bittet sie herein. Johanna bekommt einen Teller Suppe, und schüttet Franzi ihr Herz aus. Als sich an diesem „närrischen“ Tag die zweite Nachbarin dazu gesellt ist dies der Startschuss eines fröhlichen Mittagessensclubs.  Das einsame Kochen „füreineallein“ wandelt sich zum „mitanderenzusammen“, bis der Platz nicht mehr ausreicht. Der Weg vom Tisch zur Tafel beginnt. Man möchte ins verlassene Wirtshaus wechseln. Esma, die dort mit weiteren Flüchtlingen lebt, unterstützt die Frauen tatkräftig. Sie planen gemeinsam das Dorf neu zu beleben und für andere einsame Bürger*innen zu kochen. Beim Renovieren hilft die junge Sabina, die verstört vom Einsatz in einem Krisengebiet zurückgekehrt ist. Der vor langer Zeit vergessene Salzkübel im „Rössle“ wird zum Symbol für die Würze des Lebens.

Die wunderbar poetische Sprache der Autorin hat mich fast den Föhn spüren lassen. Ich bin in Bergtälern zum Kräutersammeln gewandert und habe verschiedenste Gerichte aus Syrien und Bayern gekostet. Nachdenklich stimmten mich die Frage „wie viel Erde braucht ein Mensch“ und die menschlichen Schicksale. Ein bewegendes, positives Buch über die Kraft der Begegnungen und gegen Einsamkeit.

Karin Rosa

Lesetipp Januar

Mr. Parnassus' Heim für magisch BegabteT. J. Klune: Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte

Linus Baker arbeitet seit Jahrzehnten als vorbildlicher Beamter in einer Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder zuständig ist. Sein eintöniges und geregeltes Leben findet schlagartig ein Ende, als er ein geheimes Waisenhaus auf einer einsamen Insel genauer in Augenschein nehmen soll. Dort trifft er auf abweisende Dorfbewohner, einen ungewöhnlichen Heimleiter und sechs Kinder, die es so eigentlich gar nicht geben sollte. Mit der Zeit beginnt Linus zu zweifeln. An den Regelungen des Jugendamtes und seinen eigenen Überzeugungen. Er befreit sich aus den Zwängen seiner Vorurteile und beginnt die Welt mit neuen Augen zu sehen.

T. J. Klune ist bekannt dafür, insbesondere queere Figuren in seinen Romanen zu Wort kommen zu lassen. Linus Baker ist auch eine dieser Figuren. Ein homosexueller Mann mittleren Alters, der seine Wohlfühlblase verlässt und sich auf eine wunderbare Reise zu sich selbst begibt.

Ein Wohlfühlroman ohne große Spannungsbögen, der sich besonders für gemütliche Abende vor dem Kamin eignet.

Stefanie Erben

Wir empfehlen!

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