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Lesetipp März

Jan Weiler Der MarkisenmannJan Weiler: Der Markisenmann

Auffallendes Buchcover und Titel haben mich sofort angesprochen. Und ich mag Jan Weilers Bücher – zuletzt haben mich die Kommissar-Kühn-Bücher bestens unterhalten. Also lag es nahe, dass ich mir „Der Markisenmann“ schnappe und in die Welt der 16-jährigen Kim Papen eintauche.

Um was geht es in “Der Markisenmann”?

Kim lebt mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrem Halbbruder Geoffrey in einem wohlhabenden Stadtteil von Köln. Sie hat nie erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist, der ihre Mutter verließ, als Kim noch ganz klein war. Und auch Kim fühlt sich verlassen. Von ihrem Vater und überhaupt. In die neue Familie ihrer Mutter passt sie irgendwie nicht hinein. An Materiellem fehlt es ihr nicht, ganz im Gegenteil, aber in gewisser Weise an Wärme und Zugehörigkeit.

Als Kim einen Unfall Geoffreys verschuldet, darf sie in den Sommerferien nicht mit nach Florida fliegen, sondern wird kurzerhand zu ihrem Vater nach Duisburg abgeschoben. Vom gänzlich in einer anderen Welt lebenden Ronald Papen ist sie anfänglich schwer enttäuscht. Der erfolglose Markisenverkäufer wohnt in einer mit seiner Ware vollgestopften Industriehalle und geht in „Rosi‘s Pilstreff“ ein und aus.

Warum ich dieses Buch empfehle?

Recht bald jedoch fängt Kim an, ihren Vater und dessen freundliche und bescheidene Art zu mögen. Irgendwann gehen sie gemeinsam auf Verkaufstour und Kim kurbelt den Markisenverkauf an. Es hat mich berührt, der Vater-Tochter-Annäherung und Kims persönlicher Entwicklung zuzusehen. Und die liebevoll und teils skurril gezeichneten Charaktere machen einfach Spaß.

Wer wissen will, warum sich Kims Vater bisher nie gemeldet hat und wie es mit Tochter und Vater weitergeht, dem sei „Der Markisenmann“ sehr ans Herz gelegt.

Susann Wagner

Lesetipp Februar

Jo Leevers: Café LebenJo Leevers: Café Leben

Was bleibt von uns und unserer Geschichte, wenn wir sterben? Jo Leevers beschäftigt sich in ihrem wundervollen Debütroman „Café Leben“ mit dieser Frage.

Es geht um zwei Frauen unterschiedlichen Alters und Charakters in verschiedenen Lebenssituationen. Da haben wir zum einen die 32-jährige Henrietta, pragmatisch und distanziert, die es nicht schafft im Leben richtig Fuß zu fassen. Sie hat gerade ihren Job als Bibliothekarin verloren. Da kommt eine Stellenausschreibung der Krebsambulanz, bei der sie die Lebensgeschichte todkranker Menschen aufschreiben soll, gerade recht. Dabei geht es ihr nicht um sentimentale Gründe. Nein, sie fühlt sich perfekt für den Job, da sie sich selbst für sachlich und emotionslos hält.

Eine ihrer ersten Gesprächspartner*innen ist Annie Doyle. Sie ist 66 Jahre alt, trägt kunterbunte Second-hand Designerkleidung und hat nicht mehr lange zu leben. Annie kostet ihr Leben erst seit zwei Jahren voll aus. Erst seit dem Tod ihres kontrollsüchtigen Mannes Terry ist sie frei, um eigene Entscheidungen zu treffen. Sie entschließt sich bei dem Projekt „Café Leben“ mitzumachen, weil sie gerne mit bestimmten Erinnerungen abschließen möchte.

Die beiden eigensinnigen Frauen treffen ziemlich schnell auf einige Hürden. Henrietta möchte sich vorerst an die Vorgabe des Projektrahmens halten. Nach dem immer gleichen Muster sollen Kindheit, Jugend, Erwachsenenjahre und später das Alter beschrieben werden. Doch sie muss schnell feststellen, dass Annie einige Dinge verschweigt. Was hat es zum Beispiel mit ihrem verstorbenen Mann Terry auf sich? Als sie dann auch noch von dem mysteriösen Schicksal Annies Zwillingsschwester Kath erfährt, beginnt ihre kühle Fassade zu bröckeln. Ihr bleibt nicht viel Zeit, um die Lücken in der Geschichte zu füllen.

Warum ich dieses Buch empfehle?

Die Idee, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebensgeschichte in Buchform zu hinterlassen hat mich gleich fasziniert. Auch wenn der Anfang etwas anderes vermuten lässt, ist „Café Leben“ ein sehr berührender emotionaler Roman. Jo Leevers erzählt abwechselnd aus der Sicht von Henrietta und Annie. Beide Protagonistinnen sind etwas schrullig und skurril – genau meins. Gerade durch ihre Eigenheiten sind sie mir im Verlauf der Geschichte ans Herz gewachsen. Es gibt für beide eine starke Charakterentwicklung. Henrietta findet durch Annie einen neuen Blickwinkel auf das Leben und lernt vor allem eins – das Leben will gelebt werden. Annie kann sich durch Henriettas sachliche Art öffnen und Erlebtes aufarbeiten. Die Rückblicke in ihre Vergangenheit haben es ganz schön in sich.

Der nüchterne und leichte Schreibstil passt für mich gut zu den doch eher schweren Thematiken. Eine Prise Krimi durch den Cold Case von Kathleen verleiht dem Roman zusätzlich einiges an Spannung.

Die Geschichte regt zum Nachdenken an, ich habe sie sehr gerne gelesen.

Anna-Lena Schäffner

Lesetipp Januar

Verena Kessler: EvaVerena Keßler: Eva

Verena Keßler stellt in ihrem neuen Roman Eva vier Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Schicksalen vor. Alle hadern mit sich und den Umständen, in denen sie sich befinden.

Zuerst begegnen wir Sina, einer Journalistin, die sich mit ihrem Freund Kinder wünscht, aber nicht schwanger wird. Gemeinsam versuchen sie alles, um doch ein Kind zu bekommen, was ihre Beziehung auf die Probe stellt. Immer häufiger stellt sich Sina die Frage, ob sie wirklich Kinder haben möchte. Die Zweifel verstärken sich, als sie die Lehrerin Eva Lohaus interviewt. Diese ist gewollt kinderlos und sieht dies auch als Rettung vor der Klimakatastrophe. Ihre Entscheidung vertritt sie öffentlich und möchte als Beispiel für andere Frauen dienen. Auf das Interview folgen jedoch Hasskommentare und Drohungen. Als auch noch Evas Adresse veröffentlicht wird, sieht diese sich gezwungen, ein neues Leben auf dem Land zu beginnen.

Sinas Schwester Mona wurde kurz nachdem sie ihren Mann getroffen hat schwanger. Inzwischen ist sie Mutter dreier Kinder. Von den Herausforderungen der Mutterschaft fühlt sie sich überfordert. Sie wünscht sich etwas Zeit für sich alleine und befürchtet, keinem ihrer Kinder gerecht werden zu können. Das Geschwisterverhältnis leidet unter dem unausgesprochenen Neid der Schwestern.

Zuletzt begegnen wir einer gebrochenen Frau. Ihr Kind, das für sie die einzige enge Bezugsperson war, ist an einer Krankheit gestorben. Die Arbeit als Schulsekretärin erträgt sie nicht mehr, da die Nähe der anderen Kinder sie immer wieder an ihren Verlust erinnert. Schnell wechselt sie ihre Jobs und vereinsamt immer mehr. Ein Kollege, der ihren Verlust nachvollziehen kann, gibt ihr Halt.

Verena Keßler nimmt das Thema der Mutterschaft auf und beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven. Freiwillige und unfreiwillige Mutterlosigkeit, verbunden mit der Frage, wie weit man bereit ist, alles für den Kinderwunsch zu geben. Außerdem thematisiert sie den Druck, der auf Müttern lastet, verbunden mit der ständigen Überforderung, den Kindern, der Familie und der Arbeit gerecht zu werden und dabei selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Sie schreibt über die Liebe zu den Kindern als Element, das Kraft gibt, aber auch potentiell die Macht hat, alles zu zerstören und die Eltern in den Abgrund zu reißen. Immer schwebt die Frage mit, was eine Frau als solche ausmacht. Jede der Frauen muss ihre eigene Antwort auf diese Frage finden. Die Verknüpfung des drohenden Klimakollapses mit der Frage nach Mutterschaft wirft die ethische Frage nach der Verantwortung auf, heute Kinder in unsere Welt zu setzen. Die Autorin wird aber nicht belehrend oder dogmatisch, sondern lässt diese Fragen offen und schafft so Raum, sich selbst mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Hannah Scheske

Lesetipp Dezember

Alle Farben meines LebensCecelia Ahern: Alle Farben meines Lebens

In der berührenden und tiefgründigen Geschichte über Alice erzählt die SPIEGEL-Bestsellerautorin, was im Leben wirklich zählt.

Alice wächst in einem tragischen Umfeld ohne Vater auf. Ihre Mutter ist psychisch krank und ihr kleiner Bruder schlägt eine kriminelle Laufbahn ein. Halt gibt Alice lediglich ihr großer Bruder, der die Familie aber bald verlässt und ins Ausland zieht. Allgegenwärtig sind auch finanzielle Sorgen.

Im Alter von acht Jahren beginnt Alice plötzlich, um die Menschen in ihrem Umfeld Farben zu sehen. Zutiefst verstört ruft sie die Sanitäter, als ihre Mutter blau leuchtet und sie erkennt, dass die anderen Personen ihre Gabe nicht teilen. An den Farben kann Alice die Gemütszustände ihres Gegenübers erkennen. Blau symbolisiert Traurigkeit, Grün steht für Stabilität und an der goldenen Farbe um den Bauch einer Lehrerin sieht sie schon sehr früh deren Schwangerschaft. Sie kann auch erkennen, wenn jemand lügt oder den Tränen nahe ist.

Da niemand ihre Fähigkeit richtig einordnen kann, wird Alice auf eine Förderschule geschickt. Mit Handschuhen und einer Sonnenbrille versucht sie, sich vor den Energien ihres Umfeldes zu schützen und wirkt dadurch auf andere sehr ungewöhnlich. Als ihre Mutter ein Pflegefall wird, muss Alice schnell erwachsen werden und die Verantwortung für sie übernehmen. Auf langen Spaziergängen mit der Rollstuhlfahrerin entdeckt sie ihre tiefe Verbundenheit mit Pflanzen. Dies wird im späteren Lebenslauf ihre Heilung unterstützen. Die permanente Reizüberflutung stellt eine starke Bürde dar, die sie mit Hilfe ihrer Nachbarin in den Griff bekommt.

Ihr Leben nimmt eine beeindruckende Wendung, als sie einen Mann kennenlernt, dessen Farben sie nicht sehen kann. In dieser Verbindung wächst sie mutig über sich selbst hinaus.

Man fragt sich unweigerlich, in welchen Farben man selbst wohl erstrahlt, was Glück ist und was im Leben wirklich zählt. Das Buch „Alle Farben meines Lebens“ war eine große Bereicherung und wird noch lange in mir nachwirken.

Karin Rosa

Lesetipp November

Dornen und RosenSarah J. Maas: Dornen und Rosen

“Dornen und Rosen” ist der erste Band aus der Buchreihe “Das Reich der sieben Höfe”. In der Geschichte geht es um Feyre, die aus der Menschenwelt gerissen wird und sich nun in der Welt der Fae zurechtfinden muss.

Feyre lebt mit ihren zwei Schwestern und ihrem Vater in ärmlichen Verhältnissen und muss schauen, wie sie die Familie am Leben erhält. Seit ihr Vater das ganze Vermögen verloren hat und ihre Mutter verstorben ist, ist Feyre auf sich alleine gestellt. Sie kümmert sich darum, dass das Essen auf dem Tisch steht und die Familie einigermaßen über die Runden kommt. Dabei ist der Rest der Familie keine große Hilfe.

Eines Tages trifft Feyre bei der Jagd auf einen großen Wolf im Wald. Ihr schwirren die schrecklichen Geschichten der Fae durch den Kopf, könnte dies einer dieser gefährlichen Kreaturen sein? Während sie den Wolf beobachtet, denkt sie auch an das gute Fleisch, dass sie bestimmt mehrere Tage versorgen könnte und das Fell ließe sich gut verkaufen. Vor allem jetzt wo die Winterzeit bevorsteht, würde der Vorrat das weitere Überleben ihrer Familie sichern. Feyre tötet den Wolf mit fatalen Folgen, denn kurz darauf steht eine fürchterliche Kreatur vor dem Haus und fordert eine Wiedergutmachung. Feyre muss alles stehen und liegen lassen und mit in die Welt der Fae ziehen. Jetzt ist sie zwar aus dem kümmerlichen Haus raus aber muss sich jetzt in der Welt der Fae zurechtfinden und vor allem Überleben! 

Ich habe die Buchreihe lange vor mich hingeschoben, aber jetzt habe ich die Reihe endlich angefangen und was soll ich sagen? Ich liebe die Reihe jetzt schon.

Der erste Band hat mich richtig in den Bann gezogen und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Ich finde Geschichten mit weiblichen Charakteren toll, die nicht hilflos auf den „tollen starken“ Mann warten. Da ist man bei „Das Reich der sieben Höfe“ an der richtigen Adresse. Nicht nur die Hauptprotagonistin, sondern auch die Nebencharaktere können ziemlich gut auf sich selber aufpassen.

Ich möchte so gerne selbst die verschiedenen Höfe erkunden und mich mit den verschiedenen Charakteren unterhalten. Die Autorin erzählt die Geschichte und die Welt so gut, dass man nur so über die Seiten fliegt. Klare Empfehlung meinerseits!

Michaela Reisch

Lesetipp Oktober

Things we never get overLucy Score: Things we never got over

“Things we never got over” ist der erste Band der Trilogie um die Kleinstadt Knockemout und enthält alles was ein guter “Enemies-to-Lover”-Roman braucht.

Naomies Leben steht von einem auf den anderen Tag Kopf. Sie hat gerade ihren Verlobten vor dem Altar stehen gelassen und ist lieber ihrer komplizierten Schwester zu Hilfe geeilt. Deswegen ist Naomie jetzt in einer fremden Kleinstadt gelandet, in der sie aber anscheinend jeder hasst. Kurz darauf wird ihr auch noch ihr Auto samt Geld und Handy geklaut. Und als wäre, das nicht schon genug, erfährt sie von der Existenz ihrer 11-jährigen Nichte. Und dann wird sie auch noch auf offener Straße von einem Fremden angebrüllt und beleidigt.

Knox, groß und gut aussehend, liebt seine Heimatstadt Knockemout und hat keine Zeit für Drama. Er kümmert sich um seine Geschäfte, seine Freunde und seine Großmutter und liegt im Dauerzwist mit seinem Bruder. Doch dann taucht die stadtbekannte und von allen verhasste Unruhestifterin Tina wieder auf und Knox knüpft sie sich vor. Doch warum ist Tina auf einmal wieder zurück?

Lucy Score ist ein tolles Buch gelungen. Ein Buch bei dem man abschalten und die Realität ausblenden kann, auch weil in dem Genre in der Regel mit einem Happyend zurechnen ist. Mir hat es gefallen die verschiedenen Charaktere in ihrer Geschichte zu begleiten. Allerdings ist die Alphamännchen-Art von Knox oft sehr überspitzt dargestellt, woran sich manche stören könnten.

Ich habe bereits den zweiten Band zu Hause (Things we hide from the light), in dem jetzt bereits bekannte Nebencharaktere im Mittelpunkt stehen. Band drei soll Ende November erscheinen und Achtung: Die weibliche Protagonistin ist eine Bibliothekarin – wenn das mal nicht matched.

Yvonne Reinhardt

Lesetipp September

Lina Frisch: We will give you HellLina Frisch: We will give you Hell

„We will give you Hell“ von Lina Frisch ist ein Urban-Fantasy-Roman, der in den dunklen Wäldern Schwedens spielt. Es geht um die Geschichte einer jungen Frau, um Wut, Macht, Feminismus und so vieles mehr.

Hellea (auch Hell genannt) ist 19 Jahre alt, als ihr Leben innerhalb eines Sommers komplett auf den Kopf gestellt wird. Mit Freunden plant sie vier Wochen in Schweden zu verbringen, um dort die urtümlichen Wälder des Landes und die Stadt Stockholm auszukundschaften. Plötzlich jedoch suchen Hell Fieberschübe heim, die sich nicht so recht erklären lassen, wodurch Hell zunehmend verzweifelter wird. Als die Freundesgruppe eines Tages ein Wikinger-Grab besucht, trifft Hellea dort auf Astryd. Die geheimnisvolle Frau scheint sie auf eine Art und Weise zu verstehen, wie niemand sonst es kann. Astryd erklärt Hell, was es mit ihren „Anfällen“ auf sich hat: Es handelt sich dabei um eine ihr ureigene Kraft. Diese uralte Form der Magie birgt jedoch eine große Verantwortung in sich. Denn Hellea hat damit nicht nur das Schicksal der gesamten Welt, sondern auch der Frauen in ihrer Verantwortung. Doch was wird Hell mit ihrer neu entdeckten Macht tun? Welche Entscheidungen wird sie treffen? Welche Konsequenzen werden auf sie zukommen? Und kann sie sich überhaupt richtig entscheiden?

Für mich war das Buch auf mehr als nur einer Ebene beeindruckend. Der Mix aus Magie, Mythologie und Feminismus zeigt auf eine einzigartige Art und Weise, wie Strukturen von Macht sich auf unsere Gesellschaft auswirken. Die Hilflosigkeit der Protagonistin und die Verzweiflung, die sie verspürt, gehen unter die Haut. Und dennoch kann man am Ende nicht anders, als eine gewisse Hoffnung zu verspüren, dass es doch noch eine bessere Zukunft für alle geben kann. Gleichzeitig ist das Buch von Lina Frisch so viel mehr als „nur“ eine feministische Lektüre im Fantasy-Stil. Die Geschichte rund um Hell, ihre Freunde und Familie, ihr Leben, ihre Wut und Magie ist nicht nur mysteriös, sondern auch spannend und absolut mitreißend, von der ersten bis zur letzten Seite.

Sofia Pick

Lesetipp August

Buchcover "Alice in Borderland 1"Haro Aso: Alice in Borderland

Willkommen im Borderland! Achtung, hier geht es nicht um den Klassiker “Alice in Wonderland”. Sondern hier erfahrt ihr, wie mich die Manga-Reihe "Alice in Borderland" in ihren Bann gezogen hat.

Geschrieben von Haro Asō, entführt diese dystopische Geschichte in eine Parallelwelt voller tödlicher Spiele und unerwarteter Wendungen.

Ryohei Arisu und seine Freunde gelangen unfreiwillig in diese mysteriöse Realität. Dort müssen Sie in Spielen mit unterschiedlichen Kategorien antreten, um am Leben zu bleiben. Welche Stärke dabei vonnöten ist, bestimmt die Farbe der Spielkarte, die jedem Spiel zu Beginn zugeordnet wird:

  • Karo ♦ – Intelligenz und Strategie
  • Pik  – Körperliche Ausdauer und Kraft
  • Herz  – Psychologie, Vertrauen und Verrat
  • Kreuz  – Eine Kombination der drei Kategorien inklusive Teamarbeit

Ergänzend dazu definiert die Zahl oder das Bild der jeweiligen Spielkarte die Schwierigkeitsstufe des Spiels. Um die unterschiedlichen "Games" zu meistern, müssen Ryohei und seine unterschiedlichen Mitstreiter*innen an ihre moralischen und körperlichen Grenzen gehen, Rätsel lösen und das Entscheidende: Überleben.

Das Original erschien bereits 2010 bis 2016 im Japanischen. 2020 produzierte Netflix die Manga-Reihe als Serie. Bisher gibt es zwei Staffeln (und ich hoffe auf eine weitere!). Seit 2023 werden nun die Mangas nach und nach ins Deutsche übersetzt.

Auch als "unerfahrene" Manga-Leserin ist es kaum möglich, "Alice in Borderland" aus der Hand zu legen. Die mitreißende Handlung ist durchdrungen von Spannung und emotionalen Momenten. Doch nicht nur das, die Charaktere lernen wir im Verlauf der Geschichte immer besser kennen, erfahren von ihrem früheren Leben und deren Vorgeschichten – inklusive Stärken und Schwächen. Eine packende Leseerfahrung und Empfehlung! Die Altersfreigabe beziehungsweise Altersempfehlung liegt sowohl bei der Serie als auch beim Manga bei mindestens 16 Jahren.

Heike Ossadnik

Lesetipp Juli

Die Träume anderer LeuteJudith Holofernes: Die Träume anderer Leute

Die Autobiographie der Musikerin Judith Holofernes, einst Frontfrau der Band Wir sind Helden, war für mich als Fan quasi Pflichtlektüre. Doch auch für alle, die ihre Musik (noch) nicht kennen, ist dieses Buch ein absoluter Lesegenuss!

Judith Holofernes war in den 2000er Jahren eine der erfolgreichsten deutschen Songschreiberinnen und Musikerinnen: Hunderttausende verkaufte Alben, bejubelte Auftritte auf den großen Bühnen der Republik, beliebt bei Publikum und Medien. Doch dieser Traum hatte Schattenseiten: Der Stress des anstrengenden Tourlebens mit kleinen Kindern und der Druck, allen Erwartungen immer aufs Neue genügen zu müssen. Unter Schmerzen gab sie noch die letzten Konzerte, bis sie physisch und psychisch vollkommen erschöpft war und nichts mehr ging. Aber wie steigt man aus dem Hamsterrad der Pop-Industrie aus? Und wie lebt man nach dem großen Erfolg die eigenen künstlerischen Träume weiter? Judith Holofernes wagte einen Neuanfang als Solokünstlerin.

Ihr Buch nimmt uns mit hinter die Kulissen der Musikbranche. Für mich war es spannend zu lesen, welche Schritte von den ersten Songideen bis zum fertigen Album nötig sind, wie komplex und aufwendig das Ganze ist, wie viel Künstler*innen geben müssen und wie verwundbar sie sich machen. Selbst wenn dieser Einsatz von Erfolg gekrönt wird: Einfach ist es nicht. Und wie bitter muss es sein, wenn das mit Herzblut und hohen finanziellen Risiken produzierte Album floppt und die Konzerthallen leer bleiben. Zumal Musikschaffende wie Judith Holofernes nicht nur für sich selbst Verantwortung tragen, sondern auch für viele weitere Beteiligte.

In Die Träume anderer Leute erzählt Judith Holofernes vom Fluch und Segen des frühen Erfolgs. Sie beschreibt das Leben nach Wir sind Helden, die Entwöhnung, die Zweifel, das Scheitern und Wiederaufstehen als eine von Plattenfirmen unabhängige Künstlerin.

Ich empfehle das Buch jedem, der sich für Lebensgeschichten und Musik interessiert. Judith Holofernes schreibt außergewöhnlich gut: klar und feinsinnig, unterhaltsam und schonungslos ehrlich. Ein außergewöhnliches Buch, das mich zutiefst berührt und begeistert hat.

Marlene Neumann

Lesetipp Juni

Ocean StateStuart O‘Nan: Ocean State

Dass dieser Roman von Stuart o‘Nan auf kein Happy-End zusteuert, ist nach dem ersten Satz klar. Im Mittelpunkt der in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Rhode Island spielenden Dreiecksgeschichte stehen die Teenager Marie, Angel und Birdy.

Angel und Marie sind Schwestern, ihre alleinerziehende Mutter arbeitet als Hilfspflegerin in einem Altenheim. Sie kann ihren Kindern keine Sicherheit vermitteln und findet Halt in wechselnden Männerbeziehungen. Die Jüngere der Schwestern, die 13-jährige Marie urteilt illusionslos über ihre Mutter: „Das Talent meiner Mutter bestand darin, jedes Mal einen neuen Verehrer zu finden und eine neue Bleibe für uns“. Marie ist viel sich selbst überlassen, wenn, wie so oft, die ältere Angel und ihre Mutter abends ausgehen. Sie fühlt sich einsam und fungiert als Beobachterin, die mehr versteht als man ihr zutraut.

Ihre ältere Schwester Angel ist seit drei Jahren mit Miles zusammen, einem gut aussehenden, begehrten und verwöhnten Jungen aus wohlhabendem Elternhaus. Für Angel ist Miles ihre große Liebe, aber auch ihre Erfolgsgeschichte, ihre Flucht in eine andere Welt. Sie weiß nicht, ob ihre Liebesbeziehung weitergehen wird, wenn er im folgenden Jahr für sein Studium die Stadt verlassen wird, aber sie ist fest entschlossen, dass er zumindest bis dahin ihr gehört.

Ihre Mitschülerin Birdy ist ebenfalls in Miles verliebt, seinetwegen verlässt sie ihren Freund und hofft, dass Miles sich letztendlich für sie entscheidet. Als ein Foto in sozialen Netzwerken das heimliche Liebesverhältnis von Birdy und Miles entlarvt, kämpft Angel mit allen Mitteln um ihn.

Stuart O‘Nan ist eine großartige Milieustudie um die ungleiche Verteilung von Chancen gelungen, abwechselnd erzählt aus der Perspektive der Hauptpersonen, die bis zur letzten Seite fesselt. Er zeigt auf eindrucksvolle Weise die Auswirkungen von sozialen Unterschieden und Klassenkonflikten auf das Leben der Jugendlichen.

Claudia Nägel

Lesetipp Mai

The ViolenceDelilah Dawson: The Violence

Als ein neuartiges mysteriöses Virus in Amerika um sich greift, sieht die misshandelte Chelsea eine Chance, den Fängen ihres gewalttätigen Ehemanns zu entkommen. Doch dazu muss sie alles auf eine Karte setzen. The Violence von Delilah Dawson ist ein überzeugender Thriller über häusliche Gewalt.

Chelsea Martin führt mit ihrem Mann und den beiden Kindern ein nach außen hin perfektes Vorstadt-Leben. Hinter der Fassade jedoch ist Chelsea gefangen in einem Teufelskreis aus psychischer und physischer Gewalt, finanzieller Abhängigkeit und der Sorge um ihre Töchter. Da bietet ein neuartiges, mysteriöses Virus eine ungeahnte Chance, aus ihrem Gefängnis zu entkommen. Das Violence-Virus lässt Menschen innerhalb eines Lidschlages zu Monstern werden, die wahllos ihre Mitmenschen angreifen und mit bloßen Händen töten. Angst greift um sich. Infizierte werden schnell abtransportiert und verschwinden für unbestimmte Zeit in Quarantäne-Stationen. Daher provoziert Chelsea eines Abends ihren Mann so lange, bis er mit einem Baseballschläger auf sie los geht und ruft die Polizei. Da nach außen alles nach dem Angriff eines Infizierten aussieht kommt ihr Mann in Quarantäne und Chelsea versucht mit ihren Kindern ein neues Leben zu beginnen; ein Leben in einer Welt, die sich radikal von unserer unterscheidet.

Dem Roman steht, völlig zu Recht, eine drastische Triggerwarnung voran. Der häusliche Missbrauch, aber auch die Gewalt, die von den Infizierten ausgeht, wird zum Teil sehr anschaulich beschrieben. Die Geschichte nimmt immer wieder Bezug auf die Corona-Pandemie, die in vielen Familien als Brandbeschleuniger für häusliche Gewalt diente. Durch die Isolierung, gerade zu Beginn der Pandemie, war diese Gewalt aber kaum sichtbar. Die üblichen Anlaufstellen waren geschlossen oder nur durch große Hürden zu erreichen. Der Kontakt zu Familie und Freunden war eingeschränkt. In dieser Situation befinden sich auch zu Beginn der Geschichte Chelsea und ihre Töchter. Die Figuren wirken zunächst klischeehaft, machen im Laufe der Zeit aber eine rasante Entwicklung durch und lassen sich, den Fängen des Ehemanns und Vaters entkommen, von nichts mehr unterkriegen.
Wer die Gewalt nicht scheut, findet hier einen ergreifenden und herzzerreißenden Thriller, der unter die Haut geht und lange nachhallt.

Stefanie Erben
 

Lesetipp April

Und täglich grüßt der ErzdämonI. B. Zimmermann: Und täglich grüßt der Erzdämon

Was wäre wenn es ein Museum für mythologische und verfluchte Objekte gäbe? Dann bräuchte man bestimmt eine Hexe, einen Vampir und einen Werwolf als Nachtwächter. Und ein Dämon mischt auch noch mit.

Mona ist eine Hexe. Zusammen mit dem polyamourösen Vampir Boris und dem verschmusten Werwolf Ben arbeitet sie als Nachtwächterin im „Mythohistorischen Museum Frankfurt am Main“. Als sich Einbrecher an der verfluchten Mumie in der ägyptischen Abteilung zu schaffen machen, muss Mona beherzt eingreifen. Doch ihre Hexenkräfte schießen gerne über das Ziel hinaus und so beschwört sie mehr versehentlich als mit Absicht den Erzdämonen Balthasar. Die Einbrecher werden erfolgreich vertrieben, allerdings steht Mona nun vor einem neuen Problem: durch die Beschwörung wurde ein Pakt geschlossen. Balthasar ist nun verpflichtet, Mona in jeder Notlage zu helfen.
Die Hexe muss mit ihrer Arbeit im Museum und ihren unzuverlässigen Kräften fertig werden, ohne wegen jeder Kleinigkeit den schamlos flirtenden Erzdämonen zu beschwören. Der findet es nämlich gar nicht lustig, wenn sich die „Notlage“ als eine verspätete S-Bahn oder ein fest verschraubtes Marmeladenglas entpuppt.
Doch da sind auch noch die Mumien-Diebe, die nicht so leicht aufgeben. Als sie es wagen, ein kleines Mädchen zu entführen, braucht es keine Beschwörung, damit Balthasar seiner Hexe und ihren Freunden beisteht.
Was gefällt mir?

Und täglich grüßt der Erzdämon ist ganz klar ein unterhaltsamer Fantasy-Liebesroman. Zwischen Balthasar und Mona knistert es – manchmal wortwörtlich – gewaltig. Dabei gelingt die Balance zwischen Humor und ernsthaften Momenten sehr gut.
Mona ist keine perfekte Roman-Heldin. Sie ist voller Zweifel, Unsicherheit und Ängste, die sich bis zum Ende des Buches nicht einfach in Luft auflösen. Das ist beim Lesen manchmal etwas frustrierend, doch gleichzeitig wird ihr Charakter dadurch sehr realistisch.
Die Themen „Wahlfamilie“ und „Consent“* spielen ebenfalls eine große Rolle und entsprechen dem Zeitgeist. Romantische Beziehungen finden ganz selbstverständlich nicht nur zwischen Männern und Frauen oder strikt monogam statt.
Das Setting in Frankfurt am Main (und Offenbach) passt sehr gut. Warum sollte sich in die zahlreichen Museen am Museumsufer nicht auch eines für Mythologie einreihen? Wer die Stadt kennt, erlebt den einen oder anderen liebevollen Aha-Moment.
I.B. Zimmermann (vielen bekannt auch als YouTuberin und Streamerin Honeyball oder Kritzelpixel) gelingt es, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Die übergreifende Handlung ist zwar manchmal etwas dünn. Sie ist eher die Leinwand für die liebevolle Darstellung der Figuren und ihren Beziehungen untereinander. Da mir Mona, Boris, Ben, Balthasar, Vlad und all die anderen sehr schnell ans Herz gewachsen sind, kann ich das gut verzeihen.

Die Geschichte von Mona und Balthasar wird fortgeführt: „Verliebt, verlobt, beschworen“ und „Zwischen Himmel und Hölle“

Sarah Dlugokinski-Thoma

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