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Lesetipp November

Don Quijote Flix: Don Quijote

Manche Geschichten sind unsterblich. So auch die Erzählung von Don Quijote von Miguel de Cervantes. Deshalb ist mein Tipp für euch ein Klassiker im neuen Gewand einer Graphic Novel.

Wogegen kämpft Don Quijote in der Gegenwart? Offensichtlich gegen Windräder! Bewaffnet mit Flugblättern und Plakaten (statt Schwert und Schild) kämpft Alonso Quijano gegen einen geplanten Windpark. Er ist so in seinen Widerstand verbissen, dass er nicht merkt wie Vergangenheit, Gegenwart, Realität und Illusion immer mehr miteinander verschmelzen. Bald kann er das Eine vom Anderen kaum noch unterscheiden. Seine Tochter Antonia hat kein Verständnis dafür. Wie soll sie auch? Alonso hat schon immer lieber Unterschriften gesammelt als sich um seine Familie zu kümmern. Als einziger kann Enkel Robin zu ihm durchdringen und steht dem „edlen Ritter von der traurigen Gestalt“ als treuer Knappe zur Seite.

Felix „Flix“ Görmann hat eine großartige Neuinszenierung von Cervantes klassischer Erzählung geschaffen. Sein Zeichenstil ist unverkennbar und die Bilder sind voll Liebe zum Detail. Als Leser*in merkt man bald, dass die fantastischen Elemente der Geschichte auf einer traurigen Realität fußen. Deshalb entsteht beim Lesen das Gefühl einer leisen Wehmut. Dadurch wird Flix’ Don Quijote auf einmal kein trauriges Buch, aber bei mir kam zum Lächeln im Gesicht ein kleiner Kloß im Hals dazu. Die letzte Seite blättert man vielleicht – wie ich – mit einem leisen Seufzer um.

Sarah Dlugokinski-Thoma

Lesetipp Oktober 2019

Alina Bronsky: Der Zopf meiner GroßmutterAlina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter

Mit seinen Großeltern Rita und Tschingis kommt Maxim, der die Geschichte erzählt, als Flüchtlingskind aus der Sowjetunion nach Deutschland. Er wächst in einem Flüchtlingsheim auf. Großmutter Rita ist die zentrale Figur des Romans. Sie ist schonungslos, brutal und manchmal abgrundtief böse, vor allem zu Max. Rita glaubt, er sei ein Schwachkopf und obendrein ein körperlicher Krüppel. Und behandelt ihn entsprechend. Nichts davon stimmt, Max ist ein aufgeweckter, kluger Junge. Zu allem Überfluss verliebt sich der Großvater in eine andere Frau, zeugt ein Kind mit ihr und bringt damit das chaotische Zusammenleben von Enkel und Großeltern durcheinander. Die Mutter von Max ist irgendwann in der Vergangenheit gestorben, fast hat es den Anschein, als müsse Max in der Gegenwart dafür büßen. Man mag es nicht glauben, aber am Ende gibt es fast so etwas wie einen Neuanfang für Max.

Herrlich, dieser Roman von Alina Bronsky! Welch schön skurrile Figuren sich darin tummeln! Sie sind rau im Umgang und trotzdem jede auf ihre Art liebenswert. Viele Situationen sind zum Lachen und Weinen zugleich. Urkomisch und trotzdem voller Schwermut und Tiefgang. Unglaublich, wie Max die Grobheiten seiner Großmutter hinnimmt, sie ihr im Grunde verzeiht. Insgeheim weiß Maxim eben, welch ein heftiger Bruch die Migration für die Großmutter war und dass ihr, im Gegensatz zu ihm, Deutschland fremd bleiben wird.

Susann Wagner

Film-Tipp

Green Book

Der kultivierte und begnadete, afroamerikanische Pianist Dr. Don Shirley begibt sich 1962 auf eine Konzert-Tournee in die Südstaaten. Sein Fahrer, Tony Lip, ist ein Italo-Amerikaner aus der Bronx. Ihre Route müssen die beiden nach dem sogenannten "Green Book" planen, einem Reisführer für schwarze Autofahrer. Oscarprämiert und ausgezeichnet mit dem Golden Globe in den Kategorien bester Film, bestes Drehbuch und bester Nebendarsteller ist Green Book unser momentaner DVD-Bestleiher.